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KJ #1 - Löffler

| Lesezeit: 2 Minuten

Für die kommenden Tage ist Regen angesagt, viel Regen.
Und mit Tauben ist zu rechnen, denn der Bauer hat Erbsen gesät.
Also kümmere ich mich noch einmal ein wenig um diese Tauben.

Eine Palette im Graben, der eigentlich eher ein tiefer, breiter Entwässerungsgraben ist, sorgt für sicheren Stand und trockene Füße. Tarnnetz um mich herum, Lockbild aufgebaut, und ich bin bereit.

Plötzlich etwas Weißes: ein Löffler.
Er landet 150 Meter vom Schirm entfernt und läuft in den Graben.
Siebend gleitet sein Schnabel durchs Wasser.
Seine Federhaube flattert ab und zu im Wind.
Wunderschön ist sein orangegelber Brustfleck.

Und langsam, ganz langsam kommt er auf mich zu.
Der Augenblick, in dem er nicht mehr weiterkann, rückt näher, denn dann wird er gegen den Schirm laufen.
Er denkt: „Verdammt, was sehe ich denn da?“, denke ich.
Er steigt die Böschung hinauf; offenbar will er um den Schirm herumlaufen.

Noch immer hat er mich nicht bemerkt; die Tarnung taugt wirklich was.

Jetzt steht er auf der Böschung, direkt neben dem Schirm.
Er kann in den Schirm hineinschauen und sieht mich.
Er erschrickt sich halb zu Tode.
Ich auch, obwohl ich wusste, dass dieser Augenblick kommen musste.
Und weg ist er.

Jetzt können die Tauben wiederkommen.
Ich fand es so schön, dass ich inzwischen schon ein paar hatte ziehen lassen...

©TheoM