Kletterwildschweine
Wir haben noch einen Tag, bevor es in die Berge geht, auf der Suche nach Sauen. Also ist heute ein Tag für Besichtigungen angesagt, schließlich ist die Geschäftsleitung ja auch dabei. Und dafür eignet sich dieser Teil Frankreichs ganz besonders. Für jeden etwas, denn die Gegend hat allerhand zu bieten.
Perpignan wirbt mit 300 Sonnentagen im Jahr. Eine wunderschöne alte Stadt, „Hauptstadt Nordkataloniens“. Und die Strände sind sauber und breit.
Im Hinterland ist die Natur auf kurzen Entfernungen unglaublich abwechslungsreich. Die Felsen an der südlichen Küste Richtung Spanien erinnern an die Riviera. Ein bisschen Nostalgie: Augen zu, und schon sieht man James Bond (den alten natürlich) in einem flachen, schnellen, sportlichen kleinen Wagen über diese kurvenreichen Straßen fahren.
Und das Essen! Fisch!
Und der Wein: Banjuls. Unglaublich.
Und die Kultur: Céret, eine riesige Sammlung von Picassos. Ein Überbleibsel aus der Zeit, als der Ort ein Zufluchtsort für Künstler war, die vor dem Franco-Regime geflohen waren. Und dann natürlich die alten Katharerburgen, man spürt förmlich die Geschichte...
Und für Militärbegeisterte gibt es die alten Festungsanlagen.
Wir besuchten Fort Lagarde bei dem mittelalterlichen Festungsstädtchen Prats-de-Mollo. Es liegt in einem Tal, aus dem es praktisch keinen Ausweg gibt, abgesehen von einer schmalen, kurvenreichen Straße. Die führt nach Spanien und musste deshalb schon seit Jahrhunderten verteidigt werden. Einzigartig ist der überdachte Gang von der Stadt zum Fort, durch den sich die Dorfbewohner bei einem Angriff ins Fort retten konnten, ohne unter Beschuss zu geraten.
In diesem Tal, in einem der Vallees Sauvages, werden wir morgen jagen. Den Weg kennen wir jetzt jedenfalls schon. Und nach einem Tapas-Mittagessen auf dem kleinen Marktplatz geht es wieder Richtung Küste.
Wir beschließen, noch ein bisschen „Kultur zu machen“.
Hannibal überquerte hier die Pyrenäen (mit seinen Elefanten) auf dem Weg nach Italien. Die Römer hatten hier eine ihrer wichtigsten südlichen Handelsstraßen, die Via Domitia, die hier über den Col de Perthus führte. Er ist einer der niedrigsten Pässe der Pyrenäen. Dort liegt Fort Bellegarde. Es spielte schon im Krieg zwischen Spanien und den Niederlanden eine Rolle! Herrliche, greifbare Geschichte.
Und ein schöner Blick auf den Pass auf der anderen Seite des Forts: Col de Panissas, wo man Überreste des römischen Forts sehen kann und einen fantastischen Blick auf die spanischen Ebenen hat.
Auf dem Rückweg noch ein bisschen Geld in Perthus ausgeben, wie Andorra ein kleines Steuerparadies. Aber zur Sache: Gibt es dort Wild?
Auf dem Fußweg zum Fort und zurück kamen wir durch Korkeichenwälder. Die hatten ganz bestimmt ein Mastjahr. Unglaublich, wie viele Eicheln an den Bäumen hingen und darunter lagen. Und das hatten die Sauen auch entdeckt. Überall, aber auch wirklich überall hatten sie gebrochen. Überall sah man frische Spuren von ihnen, und an ein paar Stellen konnte man ihren Maggigeruch in die Nase bekommen.
Und steil ist es dort! Die Straße hat eine Steigung von 18-19 %. Und sie windet sich den Berg hinauf, direkt bergauf oder bergab ist es also noch ein gutes Stück steiler. Aber das ist für die Sauen dort offenbar überhaupt kein Problem.
Kletterschweine, das sind sie.
Sus Scrofa, gibt es da auch eine Unterart, die aufs Klettern spezialisiert ist? Sus Ascensu?
Ich bin gespannt, was ihr Klettervermögen für die morgige Jagd bedeuten wird…
©TheoM
